LG Heilbronn

Schlechte Bedienerführung

Von einer Software kann verlangt werden, dass es Falscheingaben des Benutzers erkennt, meldet und auf die Art des Fehlers hinweist. Ansonsten kann ein erheblicher Mangel vorliegen.

(LG Heilbronn, Urteil vom 11.10.1998 - 2 O 17/95)

Die Klägerin betreibt ein Hotel. Sie erwarb bei der Beklagten eine Computeranlage nebst Individualsoftware zur Verwaltung ihres Betriebs. An dieser von der Beklagten erstellten Software bemängelte die Klägerin diverse Punkte, unter anderem, dass das Programm keine Falscheingaben erkenne. Zum Beispiel müssen Preise ohne Komma in das System eingegeben werden. Wird stattdessen ein Preis über 50,50 DM mit Komma eingegeben, erkennt das System lediglich die beiden hinter dem Komma stehenden Zahlen, und ein Preis von 50 Pfennig wird verbucht. Nachdem die Beklagte eine Beseitigung des Mangels ablehnt, verlangte die Klägerin den bezahlten Kaufpreis zurück, Zug um Zug gegen Rückgabe der EDV-Anlage. Das Gericht gab der Klägerin Recht. Nach Auffassung des Gerichts ist die Anwendungssicherheit ein Software-Qualitätsmerkmal. Von einer mangelfreien Software kann verlangt werden, dass Falscheingaben, die der Anwender macht, nicht angenommen werden, sodass durch Fehler die Datensätze nicht verfälscht werden. Das System muss Falscheingaben erkennen, melden sowie auf die Art des Fehlers hinweisen.
Nachdem im Hotel der Klägerin viele Mitarbeiter mit dem Programm befasst sind, ist dessen benutzerfreundliche Ausgestaltung besonders wichtig. Nachdem der im Beweistermin befragte Sachverständige eine fehlende Feldtypenprüfung bestätigte, gab das Gericht der Klage statt. Das Argument der Beklagten, man könne eine korrekte Bedienung durch den Anwender verlangen, wurde nicht gehört. Bei einer tagtäglichen Nutzung eines Computers durch verschiedene Mitarbeiter sei mit Falscheingaben zu rechnen, dem müsse das Programm vorbeugen.


Quelle: vmm-verlag, IT-Business News, Ausgabe 47/2000


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