EuGH

Quotenfrau vorgezogen

Die automatische Bevorzugung einer Frau, die weniger qualifiziert ist als männliche Mitbewerber, verstößt gegen Europarecht.

(EuGH, Urteil vom 06.07.2000 - Rs. C 407/98)

Bei der Besetzung einer freien Stelle entschloss sich die Beklagte, eine Hochschule, aus dem einzigen Grund für eine weibliche Bewerberin, um den geringen Frauenanteil in ihrer Behörde zu erhöhen. Der besser qualifizierte männliche Mitbewerber wandte sich mit seiner Klage gegen diese geschlechtsspezifische Benachteiligung.
Das Gericht erklärte die Benachteiligung für europarechtswidrig. Das Gericht stellte fest, dass eine Frau unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung einem männlichen Bewerber vorgezogen werden kann, wenn die Qualifikation der Frau der des männlichen Bewerbers entspricht. Voraussetzung hierfür ist ferner, daß die besondere persönliche Lage aller Bewerber entsprechende Berücksichtigung findet, so etwa die Belastung eines männlichen Bewerbers mit Unterhaltsverpflichtungen. Ein Rechtsverstoß stellte der Europäische Gerichtshof dagegen für den Fall fest, dass - wie hier - zu Gunsten einer Förderung des unterrepräsentierten weiblichen Geschlechts von sachgerechten Erwägungen Abstand genommen wird, also die Entscheidung zugunsten der Frau unbeachtich deren Qualifikation getroffen wird und es zur Ablehnung eines besser qualifizierten männlichen Bewerbers kommt.


Quelle: vmm-verlag, IT-Business News, Ausgabe 46/2000


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