BGH

Daten verschwinden selten spurlos

Behauptet ein EDV-Unternehmen, verloren gegangene Daten auf einer EDV-Anlage seien nicht wieder herzustellen, und ist dies nachweislich falsch, haftet das EDV-Unternehmen für den Schaden.

(BGH, Urteil vom 11.04.2000 - X ZR 19/98)

Der Kläger ist Arzt. Er hat bei der Beklagten, die ein EDV-Unternehmen betreibt, eine EDV-Anlage mit Programmen für seine Praxis erworben. Nachdem er nicht mehr auf die Festplatte des Rechners zugreifen konnte, sandte er diese an die Beklagte mit dem Auftrag, entweder die Festplatte zu reparieren oder die Daten auf eine andere Platte zu übertragen. Die Beklagte teilte mit, dass die Daten nicht mehr wiederherzustellen seien und verkaufte dem Kläger eine neue Festplatte. Daraufhin gab der Kläger sämtliche Daten nochmals von Hand ein. Etwas später übergab er die "kaputte" Festplatte einem anderen EDV-Unternehmen. Diesem gelang in kurzer Zeit, die Festplatte lauffähig und die Daten lesbar zu machen. Das Gericht hat die Beklagte zum Schadensersatz verurteilt. Die Erklärung der Beklagten, dass die Daten nicht zurückgewonnen werden können, war objektiv falsch. Dies führte zur Neueingabe von Daten, wodurch erhebliche Kosten entstanden sind. Die Beklagte hat diese Kosten zu ersetzen.

Der Kläger durfte eine richtige Auskunft erwarten. Unbeachtlich ist der Einwand der Beklagten, weitere als die von ihr durchgeführte Maßnahmen wären unverhältnismäßig umfangreich gewesen. Maßgeblich ist in diesem Fall nicht das Können der Beklagten, sondern ihre Sorgfalt. Sie musste wissen, dass es weitere als die von ihr versuchten Möglichkeiten zur Datenrückgewinnung gab. Vor diesem Hintergrund durfte sie nicht behaupten, die Rettung der Daten auf der Festplatte des Klägers sei unmöglich.


Quelle: vmm-verlag, IT-Business News, Ausgabe 33/2000


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