LG Nürnberg

Schadensersatz bei verspäteter Abwicklung von Online-Aufträgen

Der Online-Broker haftet seinem Kunden für den Schaden durch die verspätete Abwicklung, wenn er eine sofortige Weiterleitung der Kundenorder vertraglich zugesichert hat.

(LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 19.5.1999 - 14 O 9971/98)

Der Kläger macht bei der Beklagten, einer Broker-Gesellschaft, Schadensersatzansprüche wegen verspäteter Abwicklung eines online erteilten Auftrags zum Ankauf von Aktien geltend. Der Kläger orderte um 8.18 Uhr 500 Aktien; eine Bestätigung erhielt er um 8.19 Uhr.

Die Beklagte hatte eine sofortige Weiterleitung der Kundenorder vertraglich zugesichert. Wegen eines Routingproblems orderte sie die Aktien nicht zum Börsenbeginn bei einem Kurs von 234 DM, sondern erst um 8.47 Uhr zu einem Kurs von 268 DM. Den Differenzbetrag zwischen Eröffnungskurs und Kaufkurs, mithin 17 000 DM, macht der Kläger geltend.

Das Gericht hat der Klage stattgegeben. Vertragsgrundlage zwischen den beiden Parteien war die Ausführung einer Order über das Routingsystem an die Börsenplätze innerhalb weniger Sekunden. Diese Zusage ist in den Broschüren der Beklagten enthalten, welche als Grundlage des Vertrags gelten.

Entgegen der Ansicht der Beklagten handelt es sich bei den Broschüren nicht nur um eine "bloße Anpreisung". Denn die Broschüre konkretisiert die von der Beklagten zu erbringenden Leistung und war damit maßgeblich für die Entscheidung des Klägers, die Beklagte zu beauftragen.
Die Weiterleitung der Order durch die Beklagte ist aus Gründen nicht erfolgt, die von dieser zu vertreten sind - sodass folglich der hieraus entstandene Schaden zu ersetzen ist.


Quelle: vmm-verlag, IT-Business News, Ausgabe 31/2000


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