LG Heilbronn

Head-Hunting per Telefon unzulässig

Der telefonische Versuch, Mitarbeiter eines Unternehmens abzuwerben, ist nicht erst dann unzulässig, wenn die Abwerbeversuche wiederholt stattfinden.

(LG Heilbronn, Urteil vom 21.5.1999 - 1 KfH O 152/99)

Die Klägerin ist eines der führenden Systemhäuser zum Vertrieb von Hard- und Software. Die Beklagte ist auf Personalberatung spezialisiert und befasst sich als »Head-Hunter« mit der Vermittlung von Fach- und Führungskräften. Über den Kundentelefonring der Klägerin hatte die Beklagte versucht, einen Mitarbeiter der Klägerin abzuwerben. Ferner wurde der Mitarbeiter aufgefordert, die Telefonnummer der Beklagten an interessierte Kollegen weiterzugeben. Die Klägerin begehrt von der Beklagten, eine Kontaktaufnahme mit ihren Mitarbeitern zwecks Abwerbung am Arbeitsplatz zu unterlassen. Das Gericht hat die Beklagte antragsgemäß verurteilt. Die von der Beklagten durchgeführte direkte Ansprache des Mitarbeiters mit dem Ziel, diesen dem Arbeitgeber auszuspannen, stellt eine schwer wiegende Störung der Arbeitsabläufe dar und untergräbt dabei die Loyalität der Belegschaft der Klägerin. Sittenwidrig ist insbesondere die Art der Kontaktaufnahme über den von der Klägerin eigens für Kunden eingerichteten Anschluss, über den sich die Beklagte Zugang zu dem Spezialisten verschafft hat. Hierdurch ist der Klägerin durch die für das Gespräch aufgewandte Arbeitszeit ihres Mitarbeiters ein Schaden entstanden.

Als besonders verwerflich erachtete das Gericht den Versuch der Beklagten, über den angesprochenen Mitarbeiter an weitere Mitarbeiter heranzukommen und diese abzuwerben. Das Gericht stellte ausdrücklich fest, dass bereits - wie hier - ein massiver Abwerbeversuch ausreicht, eine Sittenwidrigkeit zu begründen.


Quelle: vmm-verlag, IT-Sales Week, Ausgabe 7/2000


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